Brombachseetriathlon – meine erste MD

Was soll ich sagen? Ich hab’s geschafft – ich habe meine erste Mitteldistanz gemeistert. Ich habe eine geile Medaille bekommen. Und ich habe auch ganz viel dazu gelernt. Aber fangen wir mal von vorne an.

Wir sind am Freitagnachmittag angereist und haben erstmal am Brombachsee im Waldcamping unser Häuschen bzw. den Trailer bezogen. Es war irgendwie richtig cool dort, und vielleicht machen wir das irgendwann nochmal wieder. Dann aber vielleicht doch eher mit etwas größeren Schlafzimmern. Wenn man hier tatsächlich zu sechst übernachtet (und es evtl. dann noch schlechtes Wetter hat) muss man sich schon wirklich sehr arg mögen. Aber die Matratze war okay, und eigenes Kissen hatten wir eh dabei, also war eigentlich auch an guten Schlaf zu denken.

Nachdem wir eingecheckt hatten, sind wir an den Brombachsee auf die andere Seite des Wettkampfortes gefahren. Eigentlich wollte ich hier nochmal im Neoprenanzug schwimmen, aber da war nichts mehr los, und es war sehr wellig. Dann war uns das irgendwie doch zu heikel, dort alleine schwimmen zu gehen. Aber kein Problem – ich hatte ja auch noch den kompletten Samstag.

Spät abends kam dann noch mein Schwiegerpapa dazu, der vorher noch in München beim Fussi war und der das ganze Wochenende mit uns verbracht hat, worüber ich mich sehr, sehr gefreut habe.

Am nächsten Morgen ging’s dann erstmal noch auf einen kurzen Lauf – 20 Minuten, nichts Besonderes. Lief gut und ich fühlte mich Bestens!

Danach sind wir zu dritt mit den Rädern rüber zum Wettkampfort gefahren. Oder besser gesagt: Wir waren schnell nur noch zu zweit, weil Markus von zwei anderen Radfahrer:innen auf dem Weg dorthin „eingesammelt“ wurde und mit denen dann spontan die Wettkampfstrecke abgefahren ist. Ich bin mit meinem Schwiegerpapa dann zum Wettkampfort gefahren. Es war richtig, richtig gut dort. Alles hat noch rumgewuselt und aufgebaut. Und während Wolfgang sich in einen Biergarten gesetzt hat, habe ich mir den Neo angezogen und bin eine Runde schwimmen gegangen.

Ähm, naja, schwimmen kann man es fast nicht nennen. Es war eine sehr kurze Runde. Zwei andere Schwimmer waren zwar auch im Wasser, aber ich habe mich mit dem hohen Wellengang – es war so windig – nicht wirklich wohlgefühlt. Das bin ich von unserem Breitenauer See halt gar nicht gewöhnt. Da sind wir wirklich verwöhnt: Meistens ist es ruhig, und in letzter Zeit hatte das Wasser immer noch 24 °C, sodass an Neopren schwimmen eigentlich gar nicht zu denken war. Der Brombachsee hatte so etwa 21 °C. Also stand für mich eigentlich dann auch schon fest, dass ich am Wettkampftag auf jeden Fall im Neo schwimmen muss.

Wir saßen dann noch eine Weile rum, haben noch was getrunken, und irgendwann kam auch Markus zurück und hat mir voller Begeisterung von der Radstrecke erzählt. Die letzten Male sind wir immer zusammen Rad gefahren und laut Markus habe ich ihn auch oft mal am Berg und auf der Ebene mit dem Zeitrad stehen lassen. Er meinte, es sollte kein Problem sein, dass ich am nächsten Tag mindestens einen 25er- oder 26er-Schnitt fahre. Ein paar Anstiege, aber nichts, was ich nicht schaffen würde.

Das hat mich irgendwie auch echt beruhigt, weil ich mir da natürlich auch ein bisschen Kopf gemacht hatte. Aber wir waren in letzter Zeit immer so gut unterwegs, und gerade auch auf dem TT hat es einfach super viel Spaß gemacht. Dann haben wir noch schnell die Startunterlagen abgeholt und sind zurück in unseren Trailerpark gefahren.

Später ging’s noch zum Mittagessen auf einen Minigolfplatz neben dem Campingplatz mit leckeren veganen Burgern und Pommes, und danach wurde erstmal noch etwas gechillt und dann alles für den Bike-Checkin fertig gemacht. Der Checkin ging super schnell – kaum Wartezeit und war Ruckzuck erledigt. Richtig gut organisiert ist das alles hier! Ich habe mir dann noch meine kleinen Knödelchen abgeholt, denn hier gab’s keine Pasta-Party, sondern eine Knödelparty. Und wir haben der Wettkampfbesprechung gelauscht. Dabei wirklich sehr leckeres (alkoholfreies) Naturradler getrunken.

Da es dann auch schon fast 19:30 Uhr war, sind wir zurück und haben erstmal angefangen Nudeln zu kochen. Markus meinte, ich sollte einfach die ganze Packung machen. Ich fand das etwas viel, aber okay – dann schmeiße ich halt 500 g Nudeln in den Topf. Ja, und dann stand ich so am Fenster und auf einmal sehe ich Markus mit Michelle und Patti um die Ecke kommen.

Boah, ey, was habe ich mich gefreut! Die beiden waren als Überraschung da. Ihr Training geskipt und alles stehen und liegen gelassen um mich zu supporten. Das hat mir so verdammt viel bedeutet. Und tut es immer noch. Nochmals danke an euch zwei, dass ihr dabei wart. Beste Bande! <3

Jetzt war die Pasta dann auch schnell aufgegessen. Ich glaube, ich bin dann so gegen zehn ins Bett gegangen, lag aber gefühlt die ganze Nacht wach. Meine Uhr sagt etwas anderes – ich habe anscheinend geschlafen. Puh.

Um 6 Uhr aufgestanden und versucht etwas essbares in mich zu stopfen. Das hat aber nur so semi geklappt. Da es in der Wettkampfbesprechung geheissen hat dass die Wechselzone am Renntag um 7.30 Uhr schließt, war sehr früh morgens sehr viel Gewusel. Der Veranstalter hatte hier aber nur den Bike-Checkin gemeint. Nachgefragt hat aber auch niemand. 🙂 Wir sind also um kurz vor 7 Uhr los um die 2 KM zum Start zu fahren. Ich musste ja auch noch den Rest einchecken. Da ist dann noch einiges schiefgegangen – erzähl ich euch später noch. Mein Schwiegerpapa noch unsere Unterkunft aufgeräumt und alles klargemacht hat (DANKE!)

Und dann der Blick auf den See: Wellen. Wind. Nicht gerade das, was ich mir erhofft hatte. Da ging mir der Arsch auch echt auf Grundeis. Ich war immer noch am Überlegen, ob ich nur meinen Shorty statt dem Neo anziehe, aber Michelle, Patti und Markus haben mir davon aber total abgeraten. Und letztendlich bin ich sehr froh, dass ich den Neo anhatte, denn ich glaube, ohne Neo wäre ich untergegangen. Rechtzeitig zum Schwimmstart waren alle Supporter da.

Schwimmstart. Die Startblöcke waren eingeteilt nach Schwimmzeiten die man bei der Anmeldung angeben musste. Ich war in Startblock 26 um 8.38 Uhr und kam pünktlich mit 30 Anderen ins Wasser. Ich war so arg aufgeregt und hab um mich herum überhaupt nichts wahrgenommen. Auch nicht, dass die Bande zwei Meter vor mir stand und mich ins Wasser gebrüllt hat. Die 1.900 m habe ich zwar geschafft, aber ich war viel, viel, viel langsamer, als ich sein wollte. Da muss ich wirklich dran arbeiten. Ich schwimme eigentlich echt gerne mittlerweile, aber ich bin halt einfach nicht schnell. Aber hier war ich wirklich verdammt langsam, und ich war schon fix und fertig, als ich aus dem Wasser kam. Dass immer wieder diese Wellen kamen und ich Wasser geschluckt habe, das hat mich echt aus dem Konzept gebracht. Wie übt man sowas?

Nach dem Schwimmen war ich dann aber erstmal unfassbar glücklich, dass ich jetzt aus dem Wasser war und habe mich die letzten 100 m nur noch irgendwie durch den Sand bergauf in die Wechselzone gekämpft – mit dem Gedanken im Kopf: „Gleich kannst du aufs Fahrrad. Das ist eine geile Fahrstrecke. Gleich wirst du Spaß haben …“

Also auf in die Wechselzone und rauf aufs Rad. Neo ausziehen, Helm und Schuhe an und los geht die wilde Fahrt. Upsi da fehlt was. Und es ist auch nicht mehr in der Kiste. Ich hab tatsächlich mein Garmin, mein Fahrradcomputer vergessen ans Rad zu machen. Saudumm. Das ist mir bisher noch nie passiert. Und das beste: ich wusste auch ganz genau wo er lag- in meiner roten Tasche beim Shorty. Wieso ich den nicht an mein Rad gemacht habe? – I do not know!

Tja, dann halt ohne Wattwerte und ohne wirklich genaue Angaben fahren und halt einfach fahren. Wird schon schiefgehen. Und Markus hatte nicht zu viel versprochen. Auf ging’s zu einer mega geilen Radstrecke. Und die hätte ich wahrscheinlich auch so richtig genossen und richtig gut gefahren, wenn nicht nach circa 15 km oder so auf einmal mein Rücken  komplett zugemacht hätte.

Ja ich bin die, die auf dem TT saß und KatzeKuh-Yoga Übungen gemacht hat. Ich bin die, die auf der zweiten Radrunde mal eben angehalten hat, um Yoga zu machen. Um irgendwie diesen Rücken wieder in Gang zu bekommen. Aber ich hatte die komplette Zeit auf dem Rad danach Rückenschmerzen. Ich hab kaum noch Kraft auf die Pedale bringen können. Und ich war richtig genervt von mir selber. Und dann der Supergau. Bei der Wettkampfbesprechung wurde noch gesagt man muss aufpassen, dass man nach der dritten Radrunde dann ins Ziel fährt. Weil man ja nicht entgegen der Fahrtrichtung fahren darf klar. Und wer fährt einfach nach der zweiten Radrunde den andern hinterher in die Zielkurve?! Natürlich ICH- die orientierungslose Franzi.

Ich bin also nach der zweiten Runde schon ins Ziel abgebogen. Hab’s dann natürlich relativ schnell gemerkt. Bin aber trotzdem noch etwas weiter gefahren bis an der Seite Helfer:innen kamen. Die hab ich dann gefragt, was ich machen soll, weil ich ja nicht entgegen der Richtung zurückfahren darf. Ich will aber auch nicht nur ne halbe Mitteldistanz machen. Sie meinten dann alles gut fahr einfach zurück und mach die dritte Runde. Du bist nicht die erste, der das heute passiert ist. Okay alles klar.

Es wurde jetzt erstmal eine sehr einsame Fahrt. Ich hab echt gebissen und fuhr so schnell es mein Körper erlaubt hat. Und da tatsächlich- da waren dann doch noch mehr. Ich konnte sogar noch ein paar  Staffelradfahrer und auch andere überholen. Dachte zuerst, ich bin jetzt echt komplett alleine auf der Strecke und war dann doch richtig glücklich, dass ich noch andere gesehen habe, die auch erst auf der dritten Runde waren. Aber es war echt hart. Ich glaub wenn ich nicht so viel Support vor Ort gehabt hätte, dann wär ich vielleicht auf der Radrunde ausgestiegen. Wobei die eine Abfahrt einfach so viel Spass gemacht hat- die wollte ich mir das dritte Mal nicht entgehen lassen 🙂

In der Wechselzone angekommen, war ich erst mal etwas krumm unterwegs. Ich stieg tatsächlich wie eine alte Omi vom Rad und konnte mich kaum gerade halten. Michelle meinte dann auch noch mach noch mal ein paar Übungen oder so. Bisschen gestreckt,  Laufschuhe an und los auf die wunderschöne Laufstrecke, auf die ich mich so sehr gefreut hatte. Das war der zweite Gedanke, der mich echt davon abhielt, frühzeitig auszuschalten. (Und die Medaille und verdammt ich bin Schwäbin: ich hab dafür bezahlt, )

Laufen war doch auch in letzter Zeit so gut. Und auch der lange Koppellauf vor kurzem war einfach super gut. Soweit so gut. Zumindest im Kopf.

Ich lief erst mal sehr, sehr langsam los. Und dann kam ein Satz, der vielleicht nicht so glücklich war. Alles easy: du hast noch dreieinhalb Stunden Zeit für den Halbmarathon. Und dann ging ich erstmal.

Neben mir die allerbeste Support Crew, die mich immer wieder motiviert hat, weiter zu laufen. Aber es war dann wirklich so eine Mischung aus laufen und gehen. Irgendwann tat mir einfach nur noch alles weh. Und meine Atmung war auch nicht mehr die aller Geilste. Musste immer wieder nach Luft schnappen. Hab die Enge in meinem Hals so richtig gespürt. Das hab ich sonst eigentlich nur, wenn ich Intervalle lauf oder Bergintervalle oder so. Wo ich dann merke, dass ich einfach viel weniger Luft bekommen seit der Rekurrensparese.

Aber ich muss sagen: die Laufstrecke. Sowas wunderschönes. Das war einfach nur einmalig. Wunderwunderschöne Natur um mich herum. Die werde ich noch mal laufen. Vielleicht in Kombination mit der Mitteldistanz, vielleicht auch einfach nur so, falls wir da noch mal Urlaub machen. Es war einfach gigantisch schön. Und ich musste so oft trotzdem lächeln, weil es einfach irgendwie so unreal war.

Ich, Franzi, die Asthma-Lotte, die die mit Sport nie was anfangen konnte, die macht hier jetzt grad ne Mitteldistanz, nen halben Ironman. Ja, sie macht sie verdammt langsam, aber sie macht sie und sie zieht sie durch. Denn das wusste ich von dem Moment, an dem ich auf die Laufstrecke gegangen bin. Ich zieh das durch. Ich war soweit gekommen und jetzt war aufgeben einfach überhaupt keine Option mehr. Egal wie sehr es im Rücken zieht oder egal wie sehr die Waden jetzt ziepen. Egal wie wenig Luft in meinem Körper kam. Völlig egal alles. Ich wollte jetzt ins Ziel einlaufen und ich wollte diese Medaille.

Was ich überaus großartig fand, war, dass es überall noch alle Verpflegungsstationen gab. Alles war noch vorrätig und die Helfer:innen waren immer noch guter Laune, obwohl sie da ja jetzt schon echt ne Weile standen. Danke an dieses tolle Team von Brombachseetriathlon. Ihr seid wirklich ganz großartig und mit so viel Herzblut dabei!

Kurz vorm Wendepunkt saß die Bande in einem Biergarten und hat mich Pommesessend angefeuert. Arschis.

Und danke an die zwei Mädels, die einfach ein Stück mit mir gelaufen sind. Das war so dermaßen cool. Zuerst haben sie mich gesiezt und meinten „Sie schaffen das“- ich dann nur so bitte duzt mich. Und sie dann so stimmt: „so alt sind sie bestimmt noch nicht“ Haha wenn ihr wüsstet 🙂

Und dann der Zieleinlauf! Den hab ich einfach nur genossen und bin schon kurz davor in Tränen ausgebrochen. Das war einfach so ein großer Moment!

Und da war dann Markus. Und da war Michelle und Patti. Und da war der allerbeste Schwiegerpapa. Das war einfach so groß.

Ich krieg immer noch Gänsehaut wenn ich daran denke. Bin dann ganz kurz ins Verpflegungszelt und hab dann noch auf die letzten Läuferinnen gewartet und mich kurz mit Bernhard unterhalten, den ich irgendwann mal auf der Strecke gesehen hatte, der muss kurz vor mir ins Ziel gekommen sein. Das ist auch das Schöne, du siehst dich irgendwie auf der Strecke und feuerst dich gegenseitig an. Du motivierst dich und andere. Und am Ende ist man einfach für alle glücklich, die es ins Ziel schaffen.

Es lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber ich bin trotzdem stolz und glücklich es geschafft zu haben! Und es war definitiv nicht meine letzte Mitteldistanz. Und das Gute: die nächste kann nur schneller werden.:)

Brombachsee-Triathlon kann ich nur empfehlen. Kleine Veranstaltung mit 1.000 Starter:innen. Alles an einem Fleck, eine Wechselzone, tolle Helfer:innen, süße kleine Expo und ein großes Essensangebot inkl. einer Area wo es einen Livestream auf Leinwand gibt. Und das Alles in eingebettet in einer wunderschönen Landschaft.

Danke auch für die ganzen tollen Nachrichten, die mich erreicht haben. Jede einzelne hat mir total viel bedeutet! Es ist großartig danach das Handy anzumachen und die ganzen Nachrichten von Menschen zu lesen die mitgefiebert und an einen gedacht haben.

Danke an Michelle, Patti und Schwiegerpapa für die vielen Fotos und Videos. <3

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